🩄Growth Hacking: Was ist das? (2021 Edition)19 min read

Was ist Growth Hacking? Und was hat es mit Growth Marketing zu tun? Erfahre alles ĂŒber die Grundlagen, Definition und Fallbeispiele von Growth Hacking. Inklusive 100 Growth Hacks zum Durchstöbern.
Growth Hacking Prozess

Growth Hacking Prozess
Der Growth Hacking Prozess V5.0

Growth Hacking ist ein Prozess, der ein ganzes Unternehmen auf ein gemeinsames Ziel aussteuert: Growth – Also: Wachstum.

In der Praxis ist Growth Hacking, viele setzen es auch mit Growth Marketing gleich, ein Zusammenspiel aus Marketing, Produkt, Technologie, Human Resources, Customer Service, Sales und nicht zu vergessen der GeschĂ€ftsfĂŒhrung.

Growth Hacking ist also eine interdisziplinĂ€re Funktion im Unternehmen – nicht zuletzt deshalb gibt es mittlerweile in den fĂŒhrenden Tech-Firmen Job-Positionen wie Chief Growth Officer, Growth Lead oder Head of Growth.

In diesem Artikel erfĂ€hrst Du mehr ĂŒber die Geschichte und Definition von Growth Hacking, und was das alles mit Marketing zu tun hat. Mit konkreten Beispielen und Methoden.

Wenn du noch tiefer in die Materie einsteigen willst, haben wir zahlreiche Ressourcen fĂŒr dich am Start:

Jetzt aber los gehts mit der Definition.

Was ist Growth Hacking?

1. Growth Hacking: Die Definition

  • Wird man mit Growth Hacking mit nur einer Idee ĂŒber Nacht schnell reich?
  • Ist Growth Hacking das neue Marketing?
  • Growth Hacking funktioniert nur fĂŒr Startups und nicht fĂŒr richtige Unternehmen
  • Wie sieht es aus mit B2B?

Durchforstet man das Internet, stellt man schnell fest, dass es leider so viele Interpretationen zum Begriff „Growth Hacking“ gibt, so dass es schwer fĂ€llt die richtige Definition des Begriffs zu finden.

Was genau verstehen wir also unter dem Begriff „Growth Hacking“ und wie kann Dir und vor allem deinem Unternehmen helfen kontinuierlich zu wachsen, die Reichweite zu erhöhen, mehr Kunden zu gewinnen bzw. Kunden noch ein bisschen erfolgreicher zu machen, so dass sie mehr und lĂ€nger fĂŒr die Produkte oder Dienstleistungen zahlen?

Ist „Growth Hacking“ das nĂ€chste große Ding wie damals Web 2.0 und Big Data oder Social Media? Oder doch nur ein neues Buzzword?

Selbst erfahrene Produkt- und Marketing-Experten tun sich mit der Einordnung des Begriffs oftmals noch sehr schwer. Manche halten Growth Hacking fĂŒr das clevere Befeuern aller verfĂŒgbaren Online-Marketing-Methoden (Growth Marketing), andere wiederum als Synonym fĂŒr virales Marketing.

Beides ist nicht das, was echte Growth Hacker unter Growth Hacking verstehen. Aber was genau ist es?

Growth Hacking ist ein Prozess. Dieser optimiert das Zusammenspiel der agilen und kundenzentrierten Produktentwicklung, mit einem skalierenden GeschĂ€ftsmodell, dem Testen der erfolgreichsten Marketing-KanĂ€le sowie eines kontinuierlichen Umsetzungs- bzw. Optimierungsprozess. Diesen einen Growth Hack, der ein Produkt ĂŒber Nacht durch die Decke schießen lĂ€sst, gibt es leider nicht.

Hendrik Lennarz

Noch ein bisschen klarer wird es, wenn man sich die beiden Begriffe „Growth“ und „Hacking“ einmal im Detail anschaut.

Growth â€“ ist das englische Wort fĂŒr Wachstum, Anstieg oder Zunahme. Dies kann eine Steigerung der Reichweite, der Useranzahl, der Kundenanzahl, des Umsatzes oder eine Steigerung des Customer Lifetime Values sein.

Hacking â€“ „To hack into a system“ ist der englische Begriff fĂŒr „in ein System eindringen“. Trifft auf den ersten Blick auch nicht so ganz, oder? Vielleicht doch. Wichtig ist zu verstehen, dass ein Hacker immer ein bestimmtes Ziel verfolgt und verschiedenste Methoden ausprobiert, um in das System einzudringen. Ein Hacker muss sich dabei nicht an vorgegebene Prozesse halten. Vielmehr muss er wirklich alles ausprobieren, um sein Ziel zu erreichen. Hier sind viel Erfahrung, Know-how, Ausdauer, die richtigen Werkzeuge und Tools sowie KreativitĂ€t gefragt. Ein Computerhacker ist dafĂŒr ein gutes Beispiel. Mal abgesehen von der kriminellen Energie, die bei Hackern oftmals vorherrscht. Das ist beim Growth Hacking nicht der Fall. 

2. Starte mit einem Problem

Bevor man mit Growth Hacking starten kann ist es wichtig, dass man in seinem Unternehmen ein bestimmtes Problem ganz klar identifiziert und dessen Lösung fĂŒr wichtig definiert.

In unseren ĂŒber 400 Growth Hacking Projekten haben wir schon so einiges gehört. Die Probleme, die unsere Teilnehmer zu uns bringen, sind eigentlich immer gleicher Natur.

Beispiele:

  • Wir wissen nicht welche Marketing Channels fĂŒr uns funktionieren und auf welchen Channels wir unsere Zielgruppe finden
  • Wir bekommen die Kunden auf unsere Seite/App. Aber niemand kauft das Produkt!
  • Ich habe ein Abo- Modell aber die KĂŒndigungsrate ist viel zu hoch
  • Ich habe ein neues Produkt und möchte dies in den Markt einfĂŒhren
  • Ich habe ein nagelneues Team und das Team arbeitet noch nicht effektiv zusammen
  • Dein Business wĂ€chst zu langsam oder zumindest gefĂŒhlt langsamer als das der Konkurrenz?
  • Der Kampf um Aufmerksamkeit fĂŒr deine Produkte/Services ist gnadenlos und Du hast eigentlich mehr Reichweite verdient?
  • Die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts ist gnadenlos.
  • Auf welche Techniken und welche Tools sollen wir setzen?
  • Wo finden wir die Leute, die uns helfen bei unser Wachstums-Challenge helfen können?
  • Klassische Marketing-Kampagnen werden durch datenbasierte Experimente ersetzt. Aber es fehlen die Skills fĂŒr sowas?
  • Die Produktentwicklung dauert und dauert…aber wir haben doch eigentlich gar keine Zeit.
  • Das Team muss wachgerĂŒttelt werden, aber man weiß nicht wie?
  • Facebook, Instagram, Adwords, Content-Marketing sind ja toll, aber wo sollen wir denn jetzt anfangen?

Wir brauchen also ein exaktes Problem. Und die Growth Hacking Methode kommt dann ins Spiel, wenn man ĂŒber die Lösung redet.

3. Ideen priorisieren!

Jetzt haben wir ein spitzes Problem definiert. Im nĂ€chsten Schritt kommt die Ideengenerierung. Man ĂŒberlegt sich genau mit welchen Ideen, man das definierte Problem lösen könnte.

Die gute Nachricht: Die meisten Start-Ups, Scale-Ups und auch Großunternehmen sind voller Ideen. Wichtig ist es, nachdem man viele Ideen gesammelt hat, die Ideen zu priorisieren.

Hier macht es Sinn, sich die Frage zu stellen: Welche Idee hat den grĂ¶ĂŸten Einfluss Einfluss auf das Unternehmens-Wachstum (=Growth). Oft werden aufwendig Ideen generiert, die aber gar kein „wichtiges“ Problem definieren.

Wenn man nun alle Ideen im Team priorisiert hat, geht es weiter mit der Umsetzungsphase. Wir sprechen da gern vom Experimentiermodus.

4. Aus einer Idee wird ein messbares Experiment

Im nĂ€chsten Schritt ĂŒberlegt man sich so konkret wie möglich, was genau man mit der Idee erreichen möchte. Man formuliert also eine genaue Hypothese: Bsp. Was möchte ich in 14 Tagen damit erreichen?

Oft werden Ideen umgesetzt, ohne sich im Vorfeld ĂŒberlegt zu haben, was man genau damit erreichen möchte.
Die Hypothese sollte daher auch quantifizierbar und messbar sein. Genau diese fundierte Datenbasis ist ein entscheidender Erfolgsfaktor, der BauchgefĂŒhl-Entscheidungen im Normalfall in den Schatten stellt.

Ein paar Beispiele:

  • Mit diesem Experiment möchten wir 100 Leute auf unsere Landing Page konvertieren
  • Mit diesem Experiment möchten wir 200 Leute in unsere App reinbekommen
  • Mit diesem Experiment möchten wir 50 Leute mehr konvertieren als vorher

5. Auch schlechte Ergebnisse sind wichtige Learnings

Nach einem festgelegten Zeitraum (der Growth Sprint – Bsp. 14 Tage), kann man dann erst sehen ob das Experiment funktioniert hat oder nicht. Um das messen zu können, muss das Experiment datenbasiert sein.

NatĂŒrlich ist dieses 1. Experiment nicht das Ende, sondern der Anfang. Das Ziel eines echten Growth Teams muss es sein, in den kontinuierlichen Experimentiermodus zu kommen. Nur durch konstantes Erzielen von Ergebnissen, kann konstantes Wachstum förmlich erzwungen werden. Selbst durch Experimente mit keinem positiven Ergebnis ziehen gute Growth Teams die richtigen Learnings fĂŒr das nĂ€chste Experiment, so dass aus jedem Learning eine Optimierung gezogen werden kann.

Wenn man viel Geld in ein Experiment investiert, sollte man zumindest wissen, warum es nicht funktioniert hat. Auch das ist ein Learning.

Video-Anleitung: Die 5 Schritte des Growth Hacking

100 echte Growth Hacks als Beispiel – Zum kostenlosen Download!

High-Speed Umsetzung als SchlĂŒssel

Die Geschwindigkeit in der heute neue Produkte, Services und Business Modelle auf den Markt schießen ist enorm. Viele sprechen da schon von Growth Hacking.

Startups und Unternehmen mit tollen Ideen fragen sich, wie sie auf diesen Hochgeschwindigkeitszug aufspringen können oder wahrscheinlich sogar mĂŒssen. Etablierte Unternehmen fragen sich, wie sie den Anschluß nicht verlieren.

Eine wichtige Antwort liegt dabei in der Umsetzungsgeschwindigkeit neuer Ideen. Eine gute Idee ist eben leider nur genauso gut, wie ihre Umsetzung.

Eine Umsetzung widerum ist nur etwas wert, wenn sie den Usern oder Kunden auch einen echten Mehrwert liefert.

Von Tag 1 gilt somit eben nicht nur die Produktentwicklung, sondern gleichzeitig die Validierung der GeschÀftsidee auf dem Markt.

Gibt es Menschen oder Unternehmen die sich tatsĂ€chlich fĂŒr die Idee oder das Produkt interessieren? Wer ist die Zielgruppe? Wo finde ich diese? Und vor allem wie kann ich diese möglichst effizient und gĂŒnstig ansprechen?

Growth Hacking FAQs

Growth Hacking vs Marketing?

FrĂŒher bezeichnete man Growth Hacking als Marketing-Mix, der von der Marketing-Abteilung verantwortet und auch vollstĂ€ndig ausgefĂŒhrt wurde. So habe ich das zumindest noch an der UniversitĂ€t gelernt. Aber genau dort liegt der Unterschied.

Growth Hacking ist cross-funktional und gilt als ein Zusammenspiel aus Marketing, Produkt, Technologie, Human Resources, Customer Service, Sales und nicht zu vergessen der GeschĂ€ftsfĂŒhrung. Alle mit dem gleichen ĂŒbergeordneten Ziel: Growth.

Die Herausforderung ist demnach, diese verschiedenen Themen, Skills und Verantwortung in Einklang zu bringen. Der digitale Wandel, der mobile Hype, der Durchbruch von Social Media, das Internet of Things, Big Data und natĂŒrlich der Zugriff auf nahezu unbegrenzte Rechenleistung, SpeicherkapazitĂ€t und Technologien durch CloudServices machen es heute möglich, in Windeseile Millionen von Nutzern anzusprechen und von seinem Produkt zu ĂŒberzeugen. 

WĂ€hrend sich im traditionellen Marketing alles um den Verkauf der Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens dreht, ist Growth Hacking eine ganzheitlichere Funktion.

Growth Hacker konzentrieren sich nicht nur auf den Verkauf, sondern darauf, den effizientesten, schnellsten und kostensparendsten Weg zum Wachstum eines Unternehmens zu finden.

Welche Voraussetzungen brauchen wir zum Starten?

Es reicht zum Starten das richtige Mindset, der Willen, um das Problem wirklich lösen zu wollen. In gewachsenen Unternehmen benötigt man natĂŒrlich die notwendige Management-Attention, so dass es ĂŒberhaupt erlaubt ist, sich mit unkonventionellen Methoden beschĂ€ftigen zu können.

Hier gibts allerdings jede Menge Tricks, wie man mit geschickter Argumentation einer GeschĂ€ftsfĂŒhrung Growth Hacking schmackhaft machen kann. Melde Dich gern bei Interesse – hier.

Wie viele Personen braucht ein Growth Team?

Ein Growth Team kann schon mit der 1. Person starten. Alles andere sind Ausreden. Eine Person, die sich mit dem Finden und Beseitigen der schlimmsten Wachstumsbarrieren kĂŒmmert, sowie um das Skalieren der besten Wachstumshebel.

Welche Skills braucht ein Growth Hacker?

Nur mit den richtigen Skills, dem richtigen Mindset der kontinuierlichen Verbesserung sowie einem Schritt-fĂŒr-Schritt Prozess ist diese Umsetzungsgeschwindigkeit zu erreichen.

Das Skillset fĂŒr einen Growth Hacker sieht dabei etwa wie folgt aus:

Growth Hacking Skills
Growth Hacking Skills – Become T-shaped marketers.

Ist Growth Hacking wirklich „kostenlos“?

Ein hĂ€ufiges MissverstĂ€ndnis herrscht jedoch vor. Growth Hacking sei gĂŒnstiges Marketing fĂŒr Start-ups. Ein Trugschluss.

Denn nur weil die Growth-Hacking-AktivitĂ€ten nicht mehr ausschließlich unter der Marketingkostenstelle verbucht werden, kostet Growth Hacking auf jeden Fall auch Geld.

Neben Geld leider auch immer jede Menge Zeit. Denn ohne ausreichend Zeit zum Experimentieren funktioniert ein Growth Hacking Prozess nicht. Genauso wenig wie ohne ein gutes Produkt, fĂŒr das es keinen Markt gibt, weil es kein Problem der Nutzer wirklich sinnvoll löst.

Growth Hacking nur fĂŒr Startups?

Der Begriff „Growth Hacking“ wird hĂ€ufig verwendet, um Startup-Marketing zu beschreiben, aber seine Bedeutung hat sich in den letzten Jahren deutlich geĂ€ndert. Kurz gesagt, die Antwort ist Nein, es ist nicht nur fĂŒr start-ups.

Es handelt sich schließlich bei Growth Hacking um einen Prozess und kann somit auf jedes Unternehmen – ob groß oder klein – angewendet werden. Es können also auch Scale-ups und große Corporates von Growth Hacking-Methoden profitieren und schnelles Wachstum erzielen.

Growth Hacking B2B – geht das auch?

Wenn man sich die meist erzĂ€hlten Geschichten zu Growth Hacking ansieht, fĂ€llt sofort auf, dass sie grĂ¶ĂŸtenteils a) auf Startups und b) aus dem B2C-Bereich basieren. Eher selten, liest man von einer unglaublichen Wachstumsgeschichte aus dem B2B-Bereich.

Warum eigentlich? 

Growth Hacking kommt nun mal aus Silicon Valley – da wo die großen Social Networks Tools gemacht werden…Deswegen hat es in der Historie einfach diesen Einschlag. Aber auch in der B2B-Welt gibt es viel Raum fĂŒr Growth-Hacking-Taktiken und ebenfalls unzĂ€hlige Beispiele wie bspw. Slack, Clubhouse, Hubspot und Co…

Um dir selbst ein Bild davon zu machen, kannst Du dir hier die besten Beispiele durchlesen.

Growth Hacking Beispiele

1. Das erste „offizielle“ Growth Hacking Beispiel: Hotmail.com

Bei der Definition fĂŒr Growth Hacking darf der allererste offizielle Growth Hack aus dem Jahr 1996 nicht fehlen. Die Kollegen Sabeer Bathia und Jack Smith starteten den Web-Mail-Service Hotmail.com.

Mit 300.000 US-Dollar Startkapital bewarben sie ihr neues Produkt mit großen Werbeplakaten und Radio-Werbung. Die Growth-Strategie ging nicht wirklich auf. Bis ihnen eine Idee kam:

“PS: I Love You. Get your free E-Mail at Hotmail”

Dies war der Satz mit einem Link auf ihre Homepage dahinter, den sie in die Fußzeile jeder versendeten E-Mail ĂŒber Hotmail automatisch integrierten.

Innerhalb der ersten sechs Monate meldeten sich 1.000.000 (eine Million!) neue Nutzer an. Nur fĂŒnf Wochen spĂ€ter zĂ€hlten sie schon zwei Millionen neue Nutzer. Es funktionierte.

Warum „PS I love you“ so genial war: Timing ist alles

Viele verstehen den Growth Hack auf den ersten Blick nicht. Kostenlose E-Mail-Konten sind doch ganz normal?

Bedenk aber bitte, dass es damals einfach noch keine Webmailer wie Gmail oder GMX gab. Es gab lediglich Outlook Express auf dem Rechner der Eltern – also lokal an einem einzigen PC.

Dieser PC war nicht von ĂŒberall zugĂ€nglich. Insofern war das Produkt Hotmail natĂŒrlich auch eine echte Produktinnovation: „E-Mails schreiben und lesen von ĂŒberall.“ was eine gewaltige und innovative Value Proposition zu der damaligen Zeit.

Das ist ein wichtiger Aspekt von Growth Hacking: Diesen „Hack“ heute einfach zu kopieren, wĂŒrde natĂŒrlich nicht den gleichen Erfolg bringen.

Als die GrĂŒnder Hotmail.com 1,5 Jahre spĂ€ter an Microsoft verkauften, hatten sie eine Userbase von 8,5 Millionen Nutzern. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur 70 Millionen Internet-Nutzer weltweit.

Woher kam das exponentielle Wachstum?

Der Growth-Hacking-Effekt ist relativ einfach zu erklĂ€ren. Der Satz „PS: I Love You.“ war Ă€ußerst kreativ, da die EmpfĂ€nger der E-Mail sich wohl dachten „Was ist denn da los, wer schickt mir denn so etwas Nettes?“

Mit einem Klick gelangte man auf die Landingpage von Hotmail.com, die dann nur noch ihren Dienst verrichten musste: den Menschen einen kostenlosen E-Mail Account anzubieten, den man von jedem Computer der Welt abrufen kann.

Das Marketing glĂ€nzte mit einer sehr kreativen und gĂŒnstigen Idee auch genau zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Channel an die richtige Zielgruppe. Und zwar komplett ohne Werbung!

Das Beste daran: der Skaleneffekt. Mit jeder weiteren versendeten E-Mail wurde gleichzeitig die Botschaft einmal mehr versendet.

Facebook, Groupon, Pinterest, Zynga, Airbnb, Instagram oder Snapchat folgten bekanntlich mit Àhnlichen AnsÀtzen. Das Ausnutzen genau jener Skaleneffekte ist ein wichtiger Bestandteil jeder erfolgreichen Growth Hacking Strategie.

2. Ein weiterer Growth Hack: Pokemon Go

Im Juli 2016 hat sich nicht nur die Internetwelt ein bisschen verÀndert, sondern damit einhergehend auch die reale Welt.

Was der Launch der Virtual Reality Mobile App Pokemon Go fĂŒr Android und iOS in der Welt ausgelöst hat, ist ein schier unglaubliches PhĂ€nomen.

Mein Facebook Stream war ĂŒberfĂŒllt mit Status-Meldungen erwachsener Menschen, die berichteten, dass sie ein Pokemon eingesammelt hatten. Es kursierten zudem Videos und Fotos von unzĂ€hligen Menschen, die auf ihr Handy starrend draußen in der Welt an irgendwelchen Pokemon-Punkten herumlungerten und auf ihr Handy starrten.

Kaum zu glauben, dass kein einziger Pokemon Go-Spieler vom Lkw ĂŒberfahren wurde. Zumindest nicht offiziell.

Growth Hacking - Pokemon GO
Source: Similarweb

Ein Growth Hack? Nein, nicht einer, sondern mehrere. Klar ist, dass der Einsatz eines nostalgischen Gamer-Themas wie Pokemon, von geschickten Gamification-Elementen, der unglaublich echten Verbindung zwischen Online- und Offline-Welt (Virtual Reality – VR) offensichtlich diesen Wachstumseffekt beschleunigen konnten.

NatĂŒrlich basiert Pokemon Go bereits auf Tausenden von Usern des VR-Games Ingress sowie den damit bereits vorhandenen Pokestops.

Die App startete also weder bei der Anzahl der User bei null noch bei der Anzahl der Pokestops. Ein echter Business Development Growth Hack. Aber dieses Wachstum in dieser Geschwindigkeit war dennoch unglaublich.

NatĂŒrlich ging der Hype irgendwann vorbei. Download-Zahlen beruhigten sich, und die Wiederkehrraten der User (Retention Rates) normalisierten sich wieder.

Glaubt man den Analysten von Apptopia, dann ist die Anzahl der aktiven User von Mitte August mit 50,2 Millionen bis Mitte September auf 32,4 Millionen gesunken. Die durchschnittliche Verweildauer in der App sank ebenfalls von 6,82 Minuten auf 5,41 Minuten.

Wiederkehrraten & Retention: SchlĂŒssel zum Erfolg

Insider bestÀtigen allerdings, dass die Wiederkehrraten von Pokemon Go jedoch immer noch deutlich besser sind als die der beliebten Gaming Apps Candy Crush oder Clash of Clans.

So haben Analysen ergeben, dass im Durchschnitt 77% der User nach dem Download einer Android App, diese schon 72 Stunden spĂ€ter nicht mehr nutzen. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Growth Hackings. Man richtet den Fokus nicht nur auf Neukundengewinnung, sondern auch darauf die User maximal zufrieden und glĂŒcklich zu machen.

Dies schlĂ€gt sich dann in den Retention-Rates (deutsch: Wiederkehrrate) und natĂŒrlich JahresumsĂ€tzen wieder. Dieser Fokus auf die Bestandskunden kann wiederum mit der Idee des Customer Success Managements nachhaltig optimiert.

3. Growth Hack: Tinder

Tinder wurde 2012 gestartet und in nur zwei Jahren erreichte das Unternehmen dank einer Growth-Hacking-Strategie mehr als 10 Millionen Nutzer.

Die Anwendung berĂŒcksichtigt das menschliche Verhalten und ermutigt Menschen, immer wieder zurĂŒckzukommen. Mit derzeit mehr als 50 Millionen Nutzern auf der ganzen Welt ist Tinder eine der am schnellsten wachsenden Anwendungen.

Wachstum durch Influencer

In der anfĂ€nglichen Wachstumsphase nutzte Tinder eine Strategie, die auch in den Anfangsphasen von Facebook gut funktioniert hatte: Das Unternehmen expandierte sehr gezielt, indem es ĂŒber verschiedene amerikanische Colleges die Studenten als potenzielle Nutzer ansteuerte.

Um das soziale Stigma aufzubrechen, wĂ€hlte das Unternehmen gezielt Social Influencer aus und fĂŒhrte sie in die App ein. Dazu gehörte die Auswahl von PrĂ€sidenten der im amerikanischen College-System weit verbreiteten Fraternities oder Sororities, bekannte It-Girls aus Social Media Plattformen oder anderen Personen mit vermeintlich hohem sozialem Status, die an die App herangefĂŒhrt wurden.

Dazu sprach das Unternehmen in Bars rund um den jeweiligen Campus verschiedene Personen an und brachte sie dazu, sich mit einem Tinder-Account anzumelden. So konnte das Unternehmen selbst bestimmen, wer genU die ersten Nutzer aus einem bestimmten Gebiet waren.

So konnte Tinder sicherstellen, dass bei ihrer spÀteren Produktdemonstration viele attraktive und beliebte Menschen aus der nÀheren Umgebung bereits auf Tinder aktiv waren.

Partys als Growth-Hack

Im nĂ€chsten Schritt wurden auf verschiedenen College-Campussen Launch Partys von Tinder veranstaltet. Es durften nur diejendigen Studenten teilnehmen, die sich vorher bei Tinder angemeldet hatten. Um auch die Ă€ltere Zielgruppe (25-34 JĂ€hrige) besser zu erreichen verĂ€nderte Tinder das Konzept leicht und veranstaltete zusĂ€tzlich Partys in exklusiven Nachtclubs in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten. WĂ€hrend zu Beginn des App Launches, die Zielgruppe der 18- bis 24- JĂ€hrige ganze 85% aller Nutzer ausmachte, viel die Zahl nach einem Jahr auf auf 57% aller Nutzer.

Man darf jedoch nicht vergessen, dass Tinder auch dadurch sehr schnell gewachsen ist, weil das Produkt sehr ĂŒberzeugend fĂŒr die Nutzer war. Tinder konnte sich schnell von vielen konkurrierenden Dating-Apps abheben, indem sie erstmalig die Funktion anboten, nur bei gegenseitigem Interesse die Kommunikation zwischen Nutzern herzustellen.

Wo sollen wir mit Growth Hacking anfangen?

Diese Frage kommt in jedem Growth Hacking Projekt und in jedem unserer Events immer wieder. Mein persönliches Credo lautet: „Beginne bei dir / bei Euch selbst.“

Egal ob eine Idee fĂŒr ein neues Produkt oder einen neuen Service. Egal ob als SelbststĂ€ndiger, Startup oder als Unternehmen. Schafft Euch den Platz, um die Idee schon morgen zu testen. Kein riesiges Projekt? Was benötigt man wirklich um mit den ersten potenziellen Usern zu sprechen? Es gibt keine Website oder keine Möglichkeit eine neue zu erstellen, da die Skills fehlend oder im Unternehmen niemals verfĂŒgbar sind?

Sorry, das sind leider nur Ausreden, die echte Growth Hacker nicht interessieren. Eigne dir die Skills an, die notwendig sind, um wenigstens die ersten Schritt bis zum berĂŒhmten Produkt-Market Fit selbst oder in einem Mini-Setup umsetzen zu können.

Du musst vielleicht nicht zum besten Programmierer werden, aber Du musst doch zumindest verstehen lernen, was technisch möglich ist und was nicht. Oder was oder wen man benötigt und wo man diese Leute oder diese Tools herbekommt.

„Nicht wissen“ wird heute in Startups und Corporates hart bestraft. Wir alle mĂŒssen Growth Hacker – digitale Allrounder werden – mit „A true North to Growth“ – wie Sean Ellis (der Erfinder des „Growth Hacking“) sagte 😉

Wenn Du jetzt immer noch nicht weißt wo und wie Du starten sollst, dann downloade Dir doch einfach hier kostenlos das Growth Hacking Starter-Paket mit meinen Top 100+ Growth Hack, einem E-Book sowie der Prozessgrafik V5.0. Wenn Du direkt noch tiefer reingehen möchtest, dann gibt’s noch den Growth Hacking Podcast und unser Growth Hacking Buch.

Nicht starten ist eine Ausrede! #executeordie

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